Effizientes Lesen – Das Wundermittel gegen Datenflut

Auch wenn es banal klingt: Beim Lesen versteckt sich die wirksamste Möglichkeit, den Umgang mit der Datenflut zu optimieren. Immerhin erhalten wir über 70 % unserer Informationen schriftlich. Wer Texte in der halben Lesezeit erfasst, spart im Durchschnitt mehr als eine Stunde am Tag. Das sind pro Jahr über fünf Arbeitswochen!

Was passiert im Gehirn? Das Kurzzeitgedächtnis wird besser genutzt. Innerhalb der so genannten „Gegenwartsdauer von Informationen“ lassen sich mehr Argumente und Aspekte verarbeiten. Gleichzeitig wird gedankliches Abschweifen verhindert. Das Verstehen und Behalten von Textinhalten verbessert sich spürbar.

Ein wesentlicher Grund für langsames, nicht optimales Lesen sind die sog. Lesebremsen. Häufig reicht es aus, diese wegzulassen. Ein guter Vergleich ist das Autofahren: Manche Autofahrer fahren nicht flüssig, sondern bremsen zu häufig und vor allem unnötig. Das nervt!

Eine typische Lesebremse ist das Zurückblicken (Regression). Dies geschieht oftmals bewusst, weil ein gelesenes Wort nicht verstanden wurde. Bei vielen Lesern entwickelt es sich auch zu einer Art Tick, bei fast jedem Satz noch mal einen Blick zurück zu werfen. Das ist einerseits ein sehr großer Zeitaufwand, weil jede dieser Unterbrechungen bis zu zwei Sekunden dauert und andererseits wird die Konzentration beim Lesen sehr gestört. Das Gehirn aber wird von dem Text am meisten verstehen und auch behalten, wenn flüssig, und ohne viele Unterbrechungen gelesen wird. Oftmals ist es auch so, dass Unklarheiten im Verlauf des weiteren Textes geklärt werden oder vielleicht im Zusammenhang auch gar nicht mehr so wichtig sind.

Typisch ist auch der Versuch, den Lese- und Lernprozess direkt miteinander zu verbinden. Tatsächlich kommt es hierbei meistens zu einer Überforderung unseres Arbeitsgedächtnisses. Die Erfahrungen in der Leseforschung zeigen, dass es meistens sinnvoll ist, einen Text zunächst flüssig zu lesen, ohne sich dabei bewusste Gedanken über das Behalten bzw. Lernen zu machen. Dieser Schritt sollte später und separat geschehen. Beides gleichzeitig mindert die Qualität spürbar. Insbesondere wenn nicht bewusst reflektiert wird, kann das Gehirn die Textinhalte gut erfassen.

Lesen wird häufig von der unspezifischen Angst begleitet, nicht alles zu verstehen oder ausreichend zu behalten. Daraus entsteht ein gewisser Kontrollzwang mit negativen Auswirkungen. Je mehr Sie beim Lesen ein Erfolgsdruck und Anspannung entsteht, umso weniger wird sich das Gehirn mit den Inhalten des Textes auseinandersetzen können.

Allerdings muss diese neue Gewohnheit des flüssigen Lesens trainiert werden. Die einfachste Art ist es, diese Fähigkeit unter Anleitung zu erlernen. Bereits nach einem Tag sind die dafür notwendigen Schritte im Kopf verankert. Wer danach den neuen Lesemodus im beruflichen Alltag einsetzt, wird sich schon sehr bald darüber erfreuen, wie schnell und effizient das Verstehen und behalten von Berichten, E-Mails usw. funktionieren kann.