Achtsamkeit – Grundlage für ein gut funktionierendes Gehirn

Um es gleich vorwegzunehmen: Achtsamkeit ist kein „spiritueller oder esoterischer Hokuspokus“. Die moderne Medizin und Hirnwissenschaft sehen hier vielmehr die Grundlage für ein in der modernen Arbeitswelt gesundes und gut funktionierendes Gehirn. Dies wurde in den letzten Jahren eindeutig nachgewiesen, beispielsweise mit Hilfe der Kernspintomographie.

Wer beruflich auf einer Wiese sitzt und die Schafe beim Grasen beobachtet, braucht sich über dieses Thema keine Gedanken machen. In den meisten Berufen ist jedoch die tägliche Reizüberflutung so gewaltig, dass ein Gehirn mit Aufmerksamkeitsstörungen reagiert. Es wird in der Medizin als unbeständiges Arbeiten mit nicht erklärbaren Einbrüchen, Vergessen von Teilaufgaben sowie unvollständigen Arbeitsergebnissen charakterisiert.

Was passiert, wenn diese Reize zu häufig und beinahe permanent auftreten? Bereits kurzfristig lassen sich eine Verminderung der Magen-Darm-Tätigkeit, Verspannungen und eine Senkung des Immunsystems beobachten.

Untersuchungen der University of California zeigten, dass Manager bei Büroarbeiten im Durchschnitt alle 11 Minuten von Emails, Anrufen oder Kollegen unterbrochen werden und die Aufmerksamkeit von der vorherigen Tätigkeit abgelenkt wird.

Abgeleitet vom ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) hat der amerikanische Psychologe Edward Hallowell den Begriff ADT (Attention Deficit Trait) eingeführt. Die Symptome von AD(H)S und ADT sind ähnlich. Typisch sind u.a. eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und fehlende Konzentration. Bei einer Reizüberflutung werden die Aufgabenerledigungen ständig unterbrochen und oftmals aufgeschoben. Kann eine Aufgabe nicht schnell erledigt werden, wird der Vorgang wieder weggelegt und eine andere Sache in Angriff genommen (zumindest solange bis die nächste Email kommt). Konzentriertes Arbeiten wird immer schwieriger. Ein Teufelskreis, denn die Arbeitsleistung sinkt und gleichzeitig wächst der Druck von Außen.

Wer beispielsweise ständig kreisende Gedanken im Kopf hat, kann sich nicht auf neue Informationen einlassen. Das hat nichts mit Vergesslichkeit zu tun. Wenn Deine Aufmerksamkeit im inneren Dialog ist, besteht kaum Spielraum für neuen Input. Die fehlende Konzentration erhöht zudem Deinen Stresspegel.

Achtsamkeit ist ein Zustand, in dem das Gehirn aufmerksam die momentane Außensituation oder bestimmte innere Gedanken wahrnimmt. Die Kunst besteht darin, die Aufmerksamkeit so zu lenken, dass Gedankensprünge in die Zukunft oder Vergangenheit, Grübeleien, Abschweifungen etc. vermieden werden. Das Ergebnis ist innere Ruhe, Steigerung der Konzentration und sehr hohe Effektivität.

Am einfachsten lässt sich Achtsamkeit in der Meditation lernen. Wer sich dafür interessiert findet mittlerweile ein gutes Angebot an Seminaren und Coaching. Sehr bewährt hat sich beispielsweise die Methode MBSR nach Jon Kabat-Zinn.