Die Arbeitswelt menschlicher machen

Die Statistiken der Arbeitsmedizin zeigen seit Jahren sehr hohe Wachstumsraten im Bereich psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz. Dafür gibt es viele Gründe. Ein Punkt ist beispielsweise, dass durch Rationalisierungen immer weniger Menschen immer mehr leisten müssen und rund um die Uhr mit Informationen und Ansprüchen konfrontiert werden. Es entstehen Grenzen des reinen Leistungsprinzips bei den „menschlichen Ressourcen“, die anders als Maschinen, auch mit neuer Technik keine höhere Effizienz mehr erreichen können.

Wer vor dreißig Jahren einen Bürojob angenommen hat, musste zwar auch nicht fürchten, sich zu langweilen, aber die Menge der eingehenden Daten und Informationen war damals deutlich geringer. Mitverantwortlich ist die moderne Kommunikationstechnologie, mit der uns Informationen auf verschiedenste Kanäle ständig erreichen. Wo früher Telefon und Post waren, sind heute zusätzlich Mails, Smartphones, soziale Netzwerke, Intranet und Cloud Computing. Alles soll schnell gehen. Informations-Holschuld statt Selbstbestimmung dominieren den Alltag. Unternehmensinterne Medien und Informationskanäle sind auch in der Freizeit oder Urlaubszeit präsent. Permanent erreichbar, gedanklich immer im Job und maximal mobil, so sieht der Alltag von immer mehr Menschen aus. Das gilt nicht nur für Führungskräfte, sondern weite Bereiche der Mitarbeiter im mittleren Management.

Sinnvoll ist es, die technischen Entwicklungen auf die menschlichen Rahmenbedingungen der Informationsaufnahme abzustimmen. Dies sollte ein Thema aller Unternehmensprozesse sein und zudem mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement verzahnt werden. Es macht heute keinen Sinn mehr, wenn jeder Mitarbeiter alle Informationen erhält. Die gezielte Verbreitung, oder besser Nicht-Verbreitung, von Informationen gehört zur Verantwortung der Führungskräfte. Wichtig ist, dass der positive Umgang mit der Informationsflut über alle Hierarchieebenen hinweg etabliert wird.

Auch Teams und Abteilungen sollten nach Lösungen suchen. Zeitfresser, immer wiederkehrende Störungen durch Kollegen, mangelhaft organisierte Prozesse oder unnötige Doppel- und Dreifachkommunikation sind typische Beispiele. Verschwendungskosten können reduziert und Erträge so gesteigert werden. Nicht durch mehr Arbeit und permanente Erreichbarkeit, sondern durch organisierte Abläufe und selbstbewusste Mitarbeiter, die auch mal „Nein“ sagen dürfen.